Die Bäcker-Transformation ist, wie schon gesagt, ein dynamisches System. Zunächst
haben wir eine Trajektorienbeschreibung, die infolge des Chaos zu Schwierigkeiten
führt. Sodann haben wir eine Ensemblebeschreibung durch Wahrscheinlichkeiten,
die den im 8.Kapitel, Abschnitt 2, erörterten Operator
als einen unitären Operator enthält. Dieser Operator hat, wie in Abschnitt 1
erwähnt, eine spektrale Darstellung im Hilbert-Raum, doch seine Eigenwerte stehen
in keinem Zusammenhang zur Ljapunow-Zeit, und sie erhalten die Symmetrie zwischen
Vergangenheit und Zukunft aufrecht. Es ist eine reduzible Darstellung, da sie
als einen Sonderfall individuelle Trajektorien enthält. Wir suchen jetzt nach
einer dritten Formulierung der Gesetze der Dynamik in Gestalt einer irreduziblen
probabilistischen Darstellung.
Wir können uns eng an die Darstellung in Abschnitt 2 halten. Um Eigenwerte wie
( modulo ungleich 1) zu erhalten, müssen wir den Hilbert-Raum
verlassen. Die entsprechenden Eigenfunktionen sind ebenfalls singulär (wie die
in Abschnitt 2 untersuchten
). Wir werden sie
nicht explizit hinschreiben, da man sie in der Literatur nachsehen kann102. Wir werden nur die Bedingungen für Prüffunktionen diskutieren, die zu einer
Brechung der zeitlichen Symmetrie führen. Wir tragen hier Plausibilitätsargumente
vor. Beweise findet man an anderer Stelle.
Wir haben schon in den Abschnitten 1 und 2 darauf hingewiesen, daß die Wahrscheinlichkeitsverteilung
eine Prüffunktion sein muß. In der Bäcker-Transformation ist
eine Funktion von zwei Koordinaten x und y sowie der Zeit:
.
Gesetzt, bei
sei
tatsächlich
eine Prüffunktion. Wird es das auch für
oder
bleiben?
Im 5.Kapitel haben wir gesehen, daß wir, um für
dem Gleichgewicht näherzukommen, Funktionen
benötigen, die in der Koordinate x stetig sind. Diese Bedingung wird durch die
Anwendung des Entwicklungsoperators
, auf die Verteilungsfunktion
für
aufrechterhalten, nicht aber für
. Man
kann expliziter zeigen, daß der Perron-Frobenius-Operator die Funktion
für
in x stetig erhält, wenn sie für
stetig war.
Für
trifft das nicht zu. Wir haben nämlich im 5.Kapitel gesehen,
daß wir für
zu einer Verteilung kommen, die aus
immer schmaler werdenden Streifen parallel zur y-Achse gebildet wird. Eine solche
Funktion wird unstetig in x.
, das für
in x stetig ist, ist daher eine Prüffunktion für
nicht
aber für
.
Kurz, wir können zeigen, daß Prüffunktionen zu zwei verschiedenen Klassen gehören,
je nachdem, ob wir die Entwicklung zur Zukunft oder die zur Vergangenheit betrachten.
Das bedeutet aber, daß die durch den Entwicklungsoperator
definierte dynamische Gruppe jetzt in zwei Halbgruppen aufgespalten ist, die
eine für
die andere für
.
Wir erwähnten bereits, daß wir für die Bäcker-Transformation zwei spektrale Darstellungen haben, die eine im Hilbert-Raum, die andere, die wir soeben vorgestellt haben, in generalisierten Räumen. Beide sind mathematisch korrekt, aber sie sind nicht äquivalent, da nur die zweite den chaotischen Charakter der Bäcker-Transformation zeigt und die Annäherung an das Gleichgewicht beschreibt.
Unsere neue Darstellung ist somit reicher als die übliche, da sie wesentliche
neue Merkmale einbezieht.